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Kaminbrände
Auf die besonderen Einsatzarten, die außerhalb des Zimmer-, Wohnungs- Gebäude- und Kellerbrandes oder der klassischen technischen Hilfeleistung liegen, wird deshalb in der Grundausbildung nur am Rande eingegangen. Dazu gehören auch die Kaminbrände.
Kaminbrände sind zwar in den letzten Jahren durch die immer moderneren Bauweisen von Kaminen und Feuerungstechniken und besser auf die verwendeten Brennstoffe abgestimmten Feuerungsanlagen seltener geworden. Auch die vorgeschriebenen regelmäßigen Prüfungen durch den Kaminkehrer tragen zu diesem Umstand bei. Dies soll jedoch nicht dazu verleiten, diese Brandart weniger zu beachten.
Gerade in ländlichen Gebieten und in Altstadtbereichen sind alte Kaminkonstruktionen und Feuerstätten keine Seltenheit und deshalb anfälliger für Kaminbrände als bei Neubauten. Trotzdem können sie auch bei neuen Feuerungsanlagen entstehen, wenn diese falsch bedient oder mit nicht geeigneten Brennstoffen beheizt werden.
Die Entwicklungen in der Kamintechnik gepaart mit immer moderneren Feuerungstechniken tragen gleichzeitig zu mehr Brandsicherheit bei.
Kaminaufbau
Wesentliche Bauteile des Kamins sind,
Kaminsohle -Unterer Abschluss des Kamins im Keller oder Erdgeschoss
Kaminwange -Wand des Kamins im Gebäude. Sie kann aus Mauerziegeln, für den Kaminbau eigens zugelassenen Betonformsteinen oder Keramikrohren mit Leichtbetonformsteinen bestehen. In alten Häusern kommen auch noch Kamine aus Holzfachwerk und Lehm vor
Kaminkopf -Teil des Kamins zwischen dem Dach und der Kaminmändung
Kaminmündung - Oberer Abschluss des Kamins Dort befinden sich oft Kaminaufsätze oder Blechabdeckungen, die beim Kaminbrand herabstürzen können
Kaminreinigungsöffnung mit Reinigungsverschluss - Verschließbare Öffnung von der aus der Kaminkehrer reinigt, Ausführung in der Regel als Beton- oder Metalltürchen. Eine Öffnung befindet sich auf jeden Fall an der Kaminsohle, eine zweite Öffnung kann sich im oberen Bereich des Kamins befinden; ist diese Öffnung nicht vorhanden, muss Zugang zur Kaminmündung, z. B. über Dachtritte möglich sein.
Feuerstättenanschluss - Öffnung im Kamin, an der die Feuerstätte (z. B. Ofen oder Heizung) angeschlossen ist
Achtung auf unbenutzte, verdeckte Anschlüsse!
Besonderheit bei der Verbrennung von Brennstoffen in Feuerungsanlagen
Alle in den traditionellen Feuerungsanlagen verwendeten Brennstoffe sind Kohlenwasserstoffverbindungen. Zu ihnen gehören z. B. Holz, Torf, Braunkohle,
Steinkohle, Heizöl, Erdgas. Je nach technischem Entwicklungsstand der Feuerungseinrichtung verläuft der Verbrennungsvorgang mit mehr oder weniger Teerentwicklung ab. Teer aber auch Ruß und schwarzes Pech sind unverbrannte Kohlenwasserstoffe, die sich z. B. wegen zu niedriger Verbrennungstemperatur
oder Sauerstoffkonzentration nicht entzündet haben und sich an der Innenfläche des Kamins ablagern. Mit der Zeit wird dieser Ruß- oder Teerbelag dicker. Je nach Betriebsweise der angeschlossenen Feuerstätten zeigen sich diese Beläge als trockene, spröde Glanzrußschichten oder aber auch als zähflüssige Teerbeläge (Schmierruß). Von den oben aufgeführten Brennstoffen neigen Holz und Torf am meisten zur Bildung solcher Teerschichten. Bei der heutigen Entwicklung der Feuerungstechnik kommt es bei Öl- und Gasfeuerung praktisch zu keiner Bildung von Glanz- oder Schmierruß.
Kontrolliertes Kaminausbrennen
Die brennbaren Ablagerungen an der Kamininnenseite in Form von Glanz- oder Schmierruß bilden eine latente Gefahr für die Entstehung von unkontrollierten Kaminbränden. In der Kehr- und Überprüfungsordnung ist deshalb festgelegt, dass Kamine in regelmäßigen Zeitabständen zu reinigen sind. Für die Beseitigung von Rußschichten können verschiedene mechanische Methoden oder das Ausbrennen angewandt werden. Da ein kontrolliertes Ausbrennen mit einem nicht geringen Restrisiko behaftet ist, wird der Kaminkehrer zuerst eine mechanische Methode in Erwägung ziehen. Ist der Rußbelag zu sehr festgesetzt oder zu schmierig, bleibt manchmal nur noch die Anwendung des kontrollierten Ausbrennens übrig. Der Kaminkehrer ist verpflichtet, den Zeitpunkt des Ausbrennens dem Hauseigentümer, den Hausbewohnern, der Gemeinde und der Feuerwehr vorher mitzuteilen. Beim Ausbrennen muss ein Kaminkehrer mit Ausbrennerfahrung (Meisterprüfung) dabei sein. Die Feuerwehren werden in der Regel an der Ausbrennaktion nicht beteiligt.
Entstehung von unkontrollierten Kaminbränden
Während der Kaminkehrer die teerbeschichteten Kamine mit Absicht (kontrolliert) entzündet, kann sich der Teerbelag unter bestimmten Voraussetzungen auch selbst entzünden. Es entsteht ein sogenannter unkontrollierter Kaminbrand.
Die Kaminbrandentstehung begünstigen folgende Bedingungen:
- Verbrennen von langflammigem Brennstoff, z. B. Nadelhölzer. Dabei werden Funken oder sogar Flammen bis in das Rauchrohr und / oder in den Kamin getragen, wo sie den Rußbelag entzünden können.
- Stark windiges Wetter
- Beim Nachheizen bleibt die Zuluftöffnung zu lange geöffnet
- (dadurch steigt die Abgastemperatur stark an
- Überbelastung der Feuerstätte
Erkennungszeichen für einen Kaminbrand sind:
- Lange Flammen schlagen aus dem Kamin
- Aus der Kaminmündung quellen dichte, schwarz-gelbe Rauchwolken
- Starker Funkenflug und Rauchentwicklung
- Flammen-, Funken- und Glutbildung im Kamin
- Hohe Außentemperatur der Kaminwange
Solche Anzeichen werden oft durch Hausbewohner selbst nicht bemerkt. Meistens sind das die Nachbarn oder Passanten, welche die Alarmierung der Feuerwehr veranlassen.
Gefahren bei Kaminbränden
Moderne und ordnungsgemäß errichtete Kamine überstehen Kaminbrände in der Regel unbeschädigt. Mit Gefahren muss jedoch besonders bei älteren Kaminausführungen und hinsichtlich der Auswirkungen auf die Nachbarschaft gerechnet werden.
Brandausbreitung durch Funkenflug
Die Gefahr wird noch dadurch verstärkt, dass die Kaminbrände häufig durch Sturm oder starken Wind d. h. durch stark erhöhten Kaminzug hervorgerufen werden
Brandausbreitung durch Wärmeleitung und Wärmestrahlung
Insbesondere bei baulichen Mängeln am Kamin, z. B. nicht ordnungsgemäß verschlossene unbenutzte Anschlüsse, Risse am Kamin, direkt an der Kaminwange anliegende brennbare Bauteile
Herabfallende Glut von verschmutzten Kaminaufsätzen
Kaminaufsätze verschmutzen durch Ruß- und Teerablagerungen ähnlich wie die Innenwandungen der Kamine. Beim Ausbrennen entzündet sich dieser Belag ebenfalls. Durch das Erweichen der Beläge beim Ausbrennen können hier Glutbrocken von den Aufsätzen abfallen und im Dachbereich einen Brand auslösen.
Beschädigung des Kamins durch Wärmeeinwirkung
(Wärmedehnung) Einsturzgefahr bei gezogenem Kamin (siehe Bild 1) Rissbildung am Kaminmauerwerk
Rauchausbreitung durch Verstopfung des Kamins mit Ruß
Der nicht gezündete Teil des Rußbelages dehnt sich durch Wärmeeinwirkung um das Vielfache seines ursprünglichen Volumens. Der Kaminquerschnitt wird dadurch teilweise oder ganz verschlossen. Der Rauch, der bis dahin über die Kaminmändung abzog, tritt nun an den Feuerstättenanschlüssen, Reinigungsöffnungen und undichten Stellen (z. B. Rissen) aus.
Einsatzmaßnahmen beim Kaminbrand
- Erkunden der Lage, was brennt?
- Wie weit ist der Kaminbrand fortgeschritten,
- Rußbrand im Rauchrohr,
- Unterer Bereich im Kamin
- Oberer Bereich im Kamin
- Flammen schlagen aus dem Kamin
- Welche Wohnungen sind durch den Kaminbrand betroffen?
- Sind alle Wohnungen zugänglich?
- Muss ggf. eine Drehleiter (DLK) nachalarmiert werden?
Zuständigen Bezirkskaminkehrermeister verständigen
Eigenschutz sicherstellen
Umluftunabhängiger Atemschutz (Gefahr des Austrittes von Rauch und anderen Atemgiften) Gesichtsschutz / Augenschutz
Kaminkehrerwerkzeug bereitlegen
ggf. sollten zusätzlich zur Verfügung stehen: Metallmulde, Kohleschaufel
Löschmittel bereitstellen und Wasserversorgung aufbauen
Löschmittel (z. B. Pulverlöscher, Kübelspritze) auf allen Stockwerken zur Absicherung gegen Brandausbreitung bereitstellen Den Kaminbrand selbst grundsätzlich nicht mit Löschmitteln bekämpfen. Wasserversorgung zum Schutz der Nachbargebäude gegen Brandausbreitung bereitstellen. Luken, Fenster, Türen und Tore, insbesondere von Scheunen u. Ä., schließen. Das betroffene Dach (nicht den Kamin) und die Dächer der Nachbargebäude nass halten.
Bekämpfung des Kaminbrandes
Grundsatz: Verbrennung durch Entzug des Luftsauerstoffes
Unterbinden.
Die Drosselung des Kaminbrandes wird durch das Schließen aller Anschlüsse und Reinigungsöffnungen erreicht Glut wird am unteren Kamintürchen entnommen danach Kamintürchen sofort wieder schließen, um die Sauerstoffzuführung zu reduzieren. Glut in nichtbrennbaren Gefäßen mit Deckel (z. B. Mulden) auffangen und im Freien lagern. Keine Löschmittel dem Kamin unmittelbar zuführen
Folgen der Anwendung von Löschmitteln können sein
Löschen mit Wasser
Beim Kaminbrand entstehen Temperaturen von bis zu 1500°C; Wasser verdampft sofort im Kamininneren; schlagartige Erhöhung des Volumens (1 Liter Wasser entspricht ca. 1700 Liter Dampf); der Kamin reißt; Brandausbreitung
Löschen mit Schaum
Wie beim Wasser; je nach Schaumart unterschiedliche Wasseranteile vorhanden
Löschen mit Pulver oder Kohlendioxid
Grundsätzlich nicht verboten, jedoch Einsatztechnik sehr schwierig; deshalb möglichst vermeiden. Durch falsche Anwendung (z. B. zu viel Löschmittel eingeblasen) kann auch hier die Förderleistung des Kamins überschritten und der Kamin zum Reißen gebracht werden Den Hausbewohnern erklären, warum die Einsatzmaßnahmen notwendig sind, Hausbewohner auf die Gefahr des Austritts von Atemgiften durch feinste Risse im Kamin hinweisen. Alle Räumlichkeiten im Gebäude, die der Kamin durchläuft, auf Rauch- und Feueraustritt kontrollieren. Für gute Durchlüftung der Räume sorgen. Falls verfügbar, Wärmebildkamera einsetzen. Besonders darauf achten, dass durch Wärmeleitung und Wärmestrahlung keine brennbaren Teile entzündet werden. Möbel und andere brennbare Teile vom Kamin abrücken, Bilder vom Kamin abhängen. Auf nicht ordnungsgemäß verschlossene, unbenutzte Anschlüsse achten. Deckendurchgänge kontrollieren, bei Rauchaustritt muss unter Umständen der Fußboden oder die Decke aufgebrochen werden. Dichtheit der Feuerstättenanschlüsse kontrollieren Brandgefährdete Teile eventuell mit Wasser anfeuchten. Ständig überprüfen, ob Rauch abzieht Rauchabzug von außen beobachten. Wenn der Kamin brummelt oder pulsiert, deutet dies auf einen eingeengten Querschnitt hin. Mit Stoflbesen, Kette und Schlagkehrgerät den Kaminquerschnitt freihalten. Steht kein solches Kehrgerät zur Verfügung, kann der freie Rauchabzug im Notfall auch damit erreicht werden, dass faustgroße Steine, Ziegelsteinbrocken u. Ä. in den Kamin geworfen werden. Nicht zu große Stücke einwerfen, da sie sich festsetzen und den Kamin völlig verschließen können.
Maßnahmen nach dem Ausbrennen
Nach dem Abklingen des Kaminbrandes soll die Abkühlung des Mauerwerkes bzw. der Innenrohre langsam erfolgen. Beim schnellen Abkühlen können zusätzliche Schäden am Kamin durch Risse entstehen. Die Öffnungen im Kamin sind deshalb zu schließen, damit der Durchzug kalter Luft unterbunden wird. Es kann ggf. sinnvoll sein in der Endphase des Kaminbrandes oder unmittelbar danach eine Feuerstätte nach Anweisung des Kaminkehrers in Betrieb zu nehmen. Die höchsten Temperaturen an der Außenwand treten oftmals erst mehrere Stunden nach Beendigung des Kaminbrandes auf. Deshalb sind die Umgebung, die Stockwerke und die Deckendurchführungen während und nach dem Kaminbrand öfter zu Überprüfen. Vor der Übergabe der Einsatzstelle an den Kaminkehrermeister den gesamten Bereich (den Kamin, das Gebäude und die Nachbarschaft) ggf. unter Zuhilfenahme der Wärmebildkamera nachkontrollieren. Kaminkehrermeister entscheidet über die Freigabe des Kamins zur weiteren Nutzung
Zusammenfassung
Der Einsatz bei Kaminbränden verlangt von den Feuerwehrdienstleistenden besondere Kenntnisse. Der Kaminbrand wird in der Regel nicht mit Löschmitteln bekämpft. Löschmittel werden nur zur Sicherung gegen Brandausbreitung eingesetzt. Der Kaminbrand selbst wird durch Drosselung der Sauerstoffzuführung zum Erlöschen gebracht. Die höchste Temperatur an der Außenwand des Kamins kann aber zu einem späteren Zeitpunkt erreicht werden. Die Gefahr einer Brandausbreitung ist deshalb erst beseitigt, wenn der Kamin weitestgehend abgekühlt ist und alle angrenzenden Räumlichkeiten und die Nachbarschaft kontrolliert sind.
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